Corporate Learning 2.x: Neue Trends aus der Forschung

Dr. Volker Zimmermann, Mitglied des Vorstandes, IMC AG

Mehr als 40 Mio. Euro investiert die EU jährlich in die Bildungstechnologie-Forschung. Die Wirtschaft steuert nahezu 20 Mio. an Eigenmitteln bei. In diesem Zuge werden unweigerlich auch Learning Management Systeme ihr Gesicht verändern. Analysiert man die aktuellen Projekte, so lassen sich folgende Trends im Bereich des „Corporate Learning“ erkennen.

 

Trend 1: Learning Management Systeme werden offen für Netzplattformen wie Facebook oder iGoogle

LMS Systeme erhalten offene Schnittstellen zu sozialen Netzwerken und Mini-Lernapplikationen bzw. Widgets. Hier spielt der Quasi-Standard „Open Social“ eine wichtige Rolle. Im Rahmen von Open Social werden die Schnittstellen für Mini-Applikationen und Widgets festgelegt, so dass es möglich wird, Spezialapplikationen aus Communities wie Facebook oder iGoogle mit Lernprozessen in LMS Systemen zu verbinden. Vor diesem Hintergrund entwickelt und testet die IMC derzeit in Forschungsprojekten z.B. ein Open Socialfähiges CLIX System. Beteiligt daran sind internationalen Unternehmen wie Festo und Trainingsorganisationen wie BILD – British Institute for Learning and Development.

                                                                                                       

Trend 2: Informelles Lernen wird strukturiert

Mit WIKIs, Blogs, e-Lectures und anderen „soziale“ Technologien haben Unternehmen derzeit in der Aus- und Weiterbildung noch ein Problem. Zwar sind sie zunehmend diesen Anwendungen gegenüber aufgeschlossen, aber gezieltes und „kontrolliertes“ Lernen und Kompetenzmanagement funktioniert damit nur bedingt. Eine Integration in LMS Systeme – wie im CLIX bereits seit längerem verfügbar – verbessert zwar diesen Aspekt, reicht aber noch nicht für eine breite Anwendung aus. Damit sich die Web 2.0 Tools zum Nutzen für die Unternehmen entwickeln und sich die Zeitinvestition und Kosten in der Bildung rechtfertigen, müssen die Web 2.0 Komponenten mit Lernprozess-Steuerungselementen angereichert werden. In Zukunft werden deshalb Tools für strukturierte informelle Lernprozesse erforscht. Technisch werden dazu so genannte „Recommender-Systeme“ in die sozialen Technologien eingebaut. Sie helfen Tutoren, Trainern und Lernenden, Kompetenzen gezielt zu erwerben. Weiterhin werden Lernsysteme so entwickelt, dass sie mit dem Arbeitsprozess der Mitarbeiter direkt verknüpft werden. Informationen, Hilfestellungen sowie informelle Kommunikation wird um eine betriebliche Aktivität herum angesiedelt. Lösungen wie LIVECONTEXT von IMC machen sich schon heute diese Konzepte zu nutze, es gilt nun, diesen Ansatz auf LMS Systeme, WIKis und Blogs auszuweiten.

 

Trend 3: Lernspiel-Plattformen

Jüngste Evaluationen im Bereich Didaktik an der Uni Erfurt haben gezeigt, dass Lern-Spiele, die dem Paradigma von Adventure Games folgen, schlecht zum Lernen geeignet sind. Gezeigt hat sich aber auch: Effizient sind Spiele, die narratives Lernen durch Storytelling und Übungen auf verschiedenen Levels mit Ziel eines Wettbewerbs verknüpfen. Unter dieser „Maßgabe“ wird ein Markt für (mobile) Lernspiele entstehen. In Deutschland hat die Initiative von Scoyo diesem Konzept einen Schub gegeben, weitere Entwicklungen auch im Unternehmensumfeld werden folgen. Dabei zeigt sich eine wichtige Rolle von Lernplattformen für Lernspiele: Sie unterstützen es, dass mehrere Spiele gezielt aufeinander aufbauen können und in ein gesamtes Lernszenario eingebettet sind. Plattformen selbst müssen dazu spielerische Elemente beinhalten, wie Punktevergleiche mit anderen Mitspielern oder Spielecommunities für Tipps und Tricks.

 

Fazit: eLearning Lösungen werden offener, intelligenter, sozialer und spielerischer. In den kommenden Jahren werden die LMS Systeme ihr „Gesicht“ verändern, die Benutzeroberfläche wird sich diesen Trends anpassen. Die Komplexität in den Bildungsprozessen bei Unternehmen bleibt aber, den Nutzer soll dies nicht interessieren, die Bildungsorganisation schon.


Autor: Dr. Volker Zimmermann, Mitglied des Vorstandes, IMC AG