Kein Unternehmen, das seine Geschäftsprozesse nicht mit Hilfe von Informationstechnologien abbildet und steuert. Das Leitbild durchgängiger und tief integrierter Geschäftsprozesse, das in Deutschland vor allem Wirtschaftsinformatiker wie Prof. Dr. Dr. h. c. mult. August-Wilhelm Scheer vorangetrieben haben, bestimmt heute wesentlich die organisatorische Aufstellung und strategische Ausrichtung von Unternehmen.
Hinzu kamen vollkommen neue Geschäftsmodelle und Managementfelder, die die traditionelle Unternehmenswelt verändert haben: Mobile Kommunikationstechnologien, PPS- und ERP-Systeme, Content Management und Learning Management, Portale usw. Mit Blick auf Technik, Organisation, Personal und Consulting stellt die Fachzeitschrift exklusiv Konzepte, Methoden und Techniken für ein erfolgreiches Informationsmanagement vor.
Fahrt aufgenommen.
Wer die 90er Jahre in der IT-Branche mitgemacht hat, durchlebt derzeit ein Déjà-vu. Application Service Providing hieß damals das Zauberwort und viele werden sich noch an diese erste Generation von Mietsoftware erinnern. So viel versprechend die Verheißungen auch waren – allzu oft versuchten Dienstleister über unzureichende Leitungen ressourcenhungrige Applikationen an den Mann zu bringen, die für klassische Client-Server-Architekturen gebaut waren. Das konnte nicht gut gehen. Dementsprechend blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück und das ASP-Modell kam nie so richtig in Fahrt.
Deutlich mehr aufs Tempo drückt heute Software als Dienstleistung oder ‚Software as a Service’ (SaaS). Wieder ein Mietsoftware-Modell, aber beileibe kein schaler Aufguss der alten ASP-Idee. Speziell für den Einsatz im Internet geschrieben, sind die modernen SaaS-Anwendungen mandantenfähig, leicht bedienbar, plattform-unabhängig und erfüllen dank verbesserter Rechner- und Leitungskapazitäten auch die Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Reaktionszeiten und Verfügbarkeit. Nimmt man die dadurch entstehenden Kostenvorteile für den Kunden hinzu, so sind alle Voraussetzungen gegeben, dass SaaS seinen Durchbruch erlebt. Bestätigt wird dies durch optimistische Prognosen von Marktbeobachtern wie Gartner, dass der weltweite Umsatz mit SaaS enorm steigen wird. Ein Potential, das alle Marktteilnehmer aufhorchen lassen müsste.
Müsste. Denn bei der Diskussion um SaaS reagieren insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen immer noch verhalten, sind sie trotz der Kostenvorteile nur zögerlich bereit, die Herrschaft über ihre IT-Landschaft bzw. über ihre Geschäftsdaten außer Haus zu geben. Hier ist von den Anbietern noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Einen zusätzlichen Hemmschuh für die weitere Verbreitung von SaaS stellen die bisher beschränkten Anpassungsmöglichkeiten der Software dar. Hier sind die Anbieter aufgefordert, bedarfsgerechte Leistungspakete zu schnüren. Und damit das zu bieten, was der Kunde wirklich will: erstens Service, zweitens Service und drittens Service.
Unter reinen Kostengesichtspunkten wird in der Regel das Offshoring betrachtet, also die Verlagerung von IT-Dienstleistungen ins nahe oder ferne Ausland. Dabei verkennen viele die Chance, sich durch dieses arbeitsteilige Business-Modell neue Absatzmärkte im globalen Wettbewerb zu erschließen. Gerade der Mittelstand kann in Ländern wie Indien mit seinen hervorragenden Leistungen „Made in Germany“ punkten. Und schließlich sind viele Kunden deutscher IT-Dienstleister selbst im Ausland aktiv und verlangen dort nach adäquater Unterstützung. Weitere Faktoren, wie die Rekrutierung von Mitarbeitern im Ausland, werden angesichts des sich verschärfende Fachkräftemangels hierzulande ein Übriges dazu beitragen, dass deutsche Unternehmen dem Thema Offshoring verstärkt Beachtung schenken.
Um Beachtung bitten ich Sie auch hinsichtlich einer neuen Rubrik, die Sie von nun an dauerhaft in der IM vorfinden werden. Der BITKOM, Sprachrohr der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Branche, wird zukünftig an dieser Stelle über seine Arbeit berichten. Von den diskutierten Ergebnissen und Handlungsempfehlungen werden Sie sicherlich profitieren können.
Herzlichst, Ihr
August-Wilhelm Scheer